Von Klaus Mümpfer
JAZZ-KONZERT IKS Big Band und Caravan Big Band spielen für die neue "Wohnstätte Herta Max"
Das war schon beim Original der Basie Bigband so: Die Blechmaschine riss mit harten Riffs die Zuhörer von den Sitzen und anschließend durften sich die Solisten die Seele aus dem Leib blasen. Mehr als in den sonstigen Konzerten der IKS Big Band glich der Ablauf des "One O´Clock Jump" aus dem Jahr 1938 beim Benefizkonzert zugunsten der neuen Wohnstätte Herta Max der WfB Rhein-Main dem Original, als IKS-Chef Horst Aussenhof die Solisten der Caravan Big Band vor der Klangkulisse seines Orchesters präsentierte.
Es war kein Big-Band Battle, wie ihn die großen Swing-Orchester praktizierten, sondern eher ein Freundschaftsspiel der beiden befreundeten Orchester. Deshalb erübrigt sich die Bewertung, welche denn das Bessere sei. Beide Big Bands beherrschen den Einsatz der Blech- und Holzbläser auf den Punkt, spielen präzise in
"time", werden von vorzüglichen Rhythmusgruppen gestützt und schicken makellos improvisierende Solisten an die Front.
Ein Vergleich verbietet sich zudem, weil die stilistische Ausrichtung unterschiedlich ist. Die Caravan Big Band aus dem Altkreis Schlüchtern orientiert sich unter anderem an Arrangements von Peter Herbolzheimer und wagt bei "Against all odds" von Phil Collins Ausflüge in den Pop-Bereich. Die IKS Big Band konzentriert sich auf den Swing und weitet ihn bis zu Charles Mingus aus. Beide Bands halten sich weitgehend an die Original-Arrangements, die Caravan hatte jedoch mit "Forgotten Love" eine Komposition aus eigenen Reihen im Repertoire. "Das ist unser wichtigstes Stück" betonte Big Band Leader Franz-Josef Schwade, dessen tödlich verunglückter Sohn Alexander das Stück schrieb.
Beim Publikum im ausverkauften Rüsselsheimer Theater genoss natürlich die IKS Big Band ihren Heimvorteil, zumal sie mit Stefan "Chuck" Krapf über einen Trompeter verfügt, der wie Maynard Ferguson spielerisch mit kraftvoll gleißendem Klang in die High Notes steigt. Während bei der Caravan der Bass mit straight marschierenden Läufen die rhythmische Basis legte, nutzte bei der IKS Bassistin Heinrichs die Möglichkeit zu Soli mit harmonischen Wendungen und Verzierungen. In der Big Band aus Schlüchtern rührte Theresa Henrich mit dem naivem Touch der Sängerin Marilyn Monroe in "It´s oh so quiet" die Zuschauer, shoutete aber auch kraftvoll expressiv, bei der IKS bestach das Vokal-Quartett mit Pavel Mozgovoi - der auch die Zugabe "Lullaby of Birdland sang - Frank Ebert, Christina "Hilde" Heinrichs und Christina Wehner mit dem typischen mehrstimmigen Sound der Swing-Gesangsgruppen. Mitreißend tanzten als Gäste der IKS die Lindi-Hoppers aus Wiesbaden den Jive.
Glücklich wie das frenetisch applaudierende Publikum war auch Ernst Brands, der Geschäftsführer der Werkstätte für Behinderte. Mehr als 1000 Euro hat das Benefizkonzert der WFB beschert und damit den Grundstock für die Einrichtung der neuen Wohnanlage erheblich aufgebessert. Zufrieden war auch Dieter Fischer, Präsident des Rotary Clubs Rüsselsheim-Mainspitze. Er zeigte sich dankbar, dass die Initiative der Rotarier bei der IKS auf offene Ohren gestoßen war. Aussenhof nutzte die Gelegenheit, sich "einen lang ersehnten Wunsch zu erfüllen" und die Caravan Big Band mit seinem Freund Schwade einzuladen.
Vor dem Konzert hatte "Just friends", ein Quartett der Swing Kids mit der Saxophonistin Johanna Klein als Gast, im Foyer die Besucher begeistert.
